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Mit dem Brompton durch East London

Wer an London denkt, hat oft rote Busse und überfüllte U-Bahnen im Kopf. Doch als regelmäßiger Besucher habe ich auch eine ganz andere Seite der Metropole lieben gelernt: London vom Sattel aus. Mein Ausgangspunkt waren dabei meistens die Royal Docks – ein Ort, an dem die maritime Geschichte auf die futuristische Skyline von heute trifft. Von hier aus habe ich mich zuletzt auf zwei Routen begeben, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Einmal tief in die Natur der Walthamstow Wetlands und einmal mitten hinein in das pulsierende, kreative Herz des East Ends.

Meine Fahrt beginnt jeweils beim Royal Victoria Dock unweit der Excel-Messehallen. Oder auch, anders beschrieben, zwischen den Stationen Canning Town und Custom House. Mittlerweile ist eine ewige Baustelle an der Südseite der Messehallen endlich beendet, so dass man auch wieder direkt am Wasser entlang und ungestört vom Autoverkehr bis zur University of East London, gegenüber dem City Airport und noch weiter bis zum Ende der Docks fahren kann.

Wo bekommt man das Fahrrad her? Aus dem Automaten! 😀

Brompton hat etliche dieser Hire Stationen in ganz London verteilt. Mit der dazugehörigen App auf dem Smartphone funktioniert das auch zuverlässig und einfach. Kosten: 5 £ pro Tag. Man wählt die gewünschte Station aus, bekommt angezeigt ob Fahrräder verfügbar sind und kann reservieren. An der Box selbst meldet man sich mit QR-Code an und die Box springt auf.

Wie genau das Aus- und wieder Zusammenklappen funktioniert, schaut man sich am besten vorher mal auf YouTube an. Ansonsten ist aber auch direkt auf dem Rad auch noch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Bildern. Das Ausklappen ist mehr oder weniger selbsterklärend. Das Zusammenklappen muss man etwas genauer machen, bekommt man in der Praxis aber auch hin. Damit es wieder in die Box passt, muss es auch richtig eingeklappt sein.

Auseinanderfalten, die entsprechenden Schrauben mit der Hand festdrehen und los geht der Spaß. Die Brompton Falträder sind sehr kultig und fahren sich wirklich gut. Die, die ich bisher ausgeliehen hatte, waren jeweils mit 3-Gang-Nabenschaltung ausgestattet.

Und wenn es dann auf die Straße geht, natürlich an den Linksverkehr denken!

Von der tollen Aussicht auf den City Airport aus, kann man noch bis zum Ende der Docks am Wasser entlang fahren, dann geht es durch die Wohngebiete der Gegend bis Gallions Reach. Hier bin ich noch einmal kurz an für einen Ausblick an das Themseufer gefahren um dann die Einfahrt in den Greenway zu suchen.

Das war dann der bisher östlichste Punkt meiner Fahrten: Gallions Reach und Blick auf die Themse.

Der Greenway ist nicht nur architektonisch faszinierend, weil er direkt auf dem „Northern Outfall Sewer“ also dem Damm mit den darin liegenden Hauptabwasserkanälen Londons verläuft, sondern sich auch als grünes Band quer durch den Londoner Osten zieht und damit Fußgängern und Radfahrern dient.

Und auch dieser Fuchs fühlt sich am Greenway sichtlich wohl.

Der Greenway erstreckt sich von Gallions Reach im Osten bis zum Olympia Park nach Stratford und noch etwas darüber hinaus.

Am Olympic Park haben sich meine zwei Routen geteilt.

Route 1: Vom Olympic Park nach Walthamstow

Im Sommer 2025 bin ich von hier aus dem River Lea entlang bis zu den Walthamstow Wetlands geradelt. Das ist Natur pur im urbanen Osten von London. Es handelt sich tatsächlich um das größte urbane Feuchtgebiet Europas.

Bei den Wasserflächen angekommen lädt das Café im historischen Engine House zu einer Pause ein.

Zurück nach Stratford zum Olympic Park ging es auf einem etwas anderen Weg, nämlich dem Hackney Cut (wurde bereits 1769 als Kanal angelegt um den mäandrierenden River Lea besser und schneller schiffbar zu machen). Hier, wie auch auf den anderen Kanälen Londons, reihen sich oft Hausboot an Hausboot und es mutet an wie eine eigene Welt, ein langgezogenes Dorf auf dem Wasser und doch mitten in der Stadt. Der Geruch von Holzkohle in der Luft und eine Art easy Living ist spürbar. Der Takt der Großstadt schlägt hier langsamer.

Das war der Abstecher nach Walthamstow.

Zurück wieder in den Olympic Park und seinem Stadion

Route 2: Durch den Victoria-Park und weiter Richtung City

Zuletzt (im April 2026) bin ich hier dann weiter durch den Victoria Park gefahren. Ein sonniger Sonntag im Park:

Victoria Park ist ein beliebter Peoples Park und war an diesem Sonntag voll von Spaziergängern, Läufern und Radfahrern. Am westlichen Ende des Parks trifft man auf den Regent Kanal und taucht wieder in eine andere Welt ein, vom weiten Park zum schmalen, wuseligen Treppelweg des Kanals.

Am Broadway Market, der immer sehr belebt ist und hervorragende Street Food Angebote hat, bin ich wieder „aufgetaucht“ vom Kanal und hoch in die Stadt.

Von dort ging es dann südwärts zur Columbia Road mit dem sonntäglichen Blumenmarkt wo es fast kein Durchkommen gab an diesem Sonntag im Frühling

Hier wiederum – meine Strecken kenne ich hier, die bin ich auch schon oft zu Fuß gegangen – direkt in die bekannte Brick Lane, deren Nordende nahe der Bethnal Green Road zunächst noch als eine sehr bürgerliche Wohngegend beginnt, aber dann schnell in das bunte Treiben übergeht.

In der Bricklane biege ich dann rechts nach Spitalfield ab. Dort, bei der Christ Church und dem gegenüberliegenden Spitalfield Market vorbei auf die Commercial Road. Hier ist man der City schon zum Greifen nah. Ab in den fliessenden Verkehr, bei der Aldgate East Station vorbei und die Leman Street runter bis zur Cable Street. Dort beginnt der C3 Cycleway.

Der C3 (früher CS3, das S für „Super“ wurde wieder gestrichen) führt mich wieder nach Osten. Über Limehouse nach Canary Wharf, dort nach Poplar und Canning Town. Nach Canning Town noch ein paar Höhenmeter und ich bin wieder am Ziel und auch Ausgangspunkt meiner Tour.

Screenshot

Am Ende war die Linie auf der Karte fast geschlossen – genauso wie das Gefühl, dass East London noch längst nicht ausgeradelt ist. Nächstes Mal drücke ich auch rechtzeitig auf „Start“. 😀