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road bike

Saison 2023: Schön wars! Zwei mal Langstrecke > 200 km

Ziel war für mich, die leider während des Jahres 2022 komplett verlorene Fitness (u. a. wg. Corona) für ordentliche Fahrten wieder zu erlangen und natürlich in erster Linie auch Freude am Fahren. Und es war tatsächlich ein richtig gutes Jahr. Etliche Ausfahrten zunächst in den üblichen Runden, die allmählich von 40 auf 60, 80, 100 km gesteigert wurden. Die hiesige Gegend ist dafür wunderbar geeignet, da man um entsprechende Höhenmeter einfach nicht herumkommt und genau das mag ich. Landschaftlich ist es hier in Franken sowieso wunderbar.

Die Fahrten führten hauptsächlich in die fränkische Schweiz, durch den Frankenjura und in das Kulmbacher Land.. Drei Touren waren die Highlights: 1. Auf den Gipfel des Schneebergs im Fichtelgebirge (1051 m. ü.N.N.), 2. Eine große Frankenrundfahrt (210 km. über Forchheim und Erlangen zum Nürnberger Flughafen und über Kalchreuth durch die Fränkische Schweiz wieder zurück), sowie die Fahrt nach Frankfurt a.M. (ca. 260 km.).

Alle drei Fahrten hatte ich in ähnlicher Weise auch schon die Jahre vorher absolviert und doch ist auch jede Fahrt immer wieder ein neues Erlebnis mit neuen Begegnungen und neuen Entdeckungen.

Besonders war für mich die Fahrt (zum dritten Mal nach 2018 und 2019) nach Frankfurt a.M. Zu Beginn der Saison hätte ich die Ausdauerleistung in diesem Jahr noch nicht für möglich gehalten, aber Anfang September war es soweit, ein Zeitfenster tat sich auf, das Wetter passte und mir war klar, ich kann es angehen.

Rennrad-Tour am Sonntag, 3.9.2023 nach Frankfurt/M. 

Nettofahrzeit: 11 Std. 13 Min. 

Gesamtstrecke: 259,66 km

Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,12 km/h

Höhenmeter 1.770 

Höhenprofil. Die zwei „Zacken“ im letzten Drittel sind der zu überquerende Spessart.
Gesamtstrecke (zu lesen von rechts nach links <—, d.h. von Ost nach West

Los ging es diesmal um 6.40 Uhr.

Bei meinen zwei früheren Fahrten auf dieser Strecke bin ich meist noch früher losgefahren (Rad ist mit gutem Licht ausgestattet), aber ehrlich gesagt, war es mir an diesem Septembermorgen etwas zu frisch draussen. Daher lieber nach Sonnenaufgang los. Mein Wohnort liegt auf dem Frankenjura (fränkische Alb) auf ca. 500 m. Höhe und die ersten 20 km verlaufen auch zunächst über die Landstraßen hier oben, bis es dann Richtung Bamberg zum ersten Mal steil nach unten geht (Würgauer Berg – insbesondere bei Motorradfahrern berühmt-berüchtigt). Der Nebel hielt sich zwar im Tal in Grenzen, aber die Luftfeuchtigkeit am frühen Morgen spürte man auch gleich an den Bremsgriffen bis dann die Sonne noch etwas stärker wurde. Bamberg (nach ca. 40 km) lies ich links liegen und fuhr die Strecke Hallstadt bis Eltmann, dort überquerte ich zum ersten Mal auf der Tour den Main, entfernte mich links davon ein ganzes Stück.

Es geht direkt an der Wallfahrtskirche Maria Limbach vorbei, dann nach Knetzgau, Sand am Main und eine Reihe von weiteren Dörfern bis dann irgendwann die noch nicht zurückgebauten Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks Grafenrheinfeld zu sehen sind. Hier kann ich den Main wieder überqueren und bin dann in Bergrheinfeld.

Die ersten 100 km sind geschafft und es wäre Zeit für eine weitere Frühstückspause. Das dortige Café in dem ich auf meinen vorherigen Touren schon war, hatte leider wegen Urlaub geschlossen. Hatte mich bei der Vorbereitung der Tour noch extra in Google hinsichtlich der Öffnungszeiten vergewissert, dass es am Sonntagvormittag auch offen hat, jedoch hatten sie ihren Urlaub dort leider nicht mitgeteilt. Ansonsten sind ja am Sonntag auch keine Geschäfte offen. Jedoch weiß ich, das ich nach ein paar wenigen km schon direkt am Rasthof (Autohof) der A70 bei Werneck vorbeikomme. Dort konnte ich dann auch bestens meinen Proviant auffüllen. Die weitere Strecke führt nun in Richtung Wernfeld im Landkreis Main-Spessart. Dort fliest die Wern in den Main und ich darf wiederum einmal den Main überqueren. Der Streckenabschnitt bis dorthin ist landschaftlich sehr abwechslungsreich.

Punkt 12 Uhr Mittags kam ich beim Hl. Erzengel Michael vorbei

Es wird zunächst etwas hügelig bis es dann dann den sog. Bachgrund. Hier fließt der Aschbach hinunter zur Wern und ich fahre die Landstraße durch eine Reihe von Dörfern. Hinter Aschfeld habe ich mir dieses Mal eine Umgehung der Bundesstraße 27 auf den Karten ausgeguckt und es ist immer spannend, ob das mit den schmalen Rennradreifen auch ordentlich befahrbar ist. Aber der Radweg hält was er verspricht und ist durchgehend bis Wernfeld gut geteert. Das letzte Stück des Weges kannte ich schon, das geht wunderbar der Wern entlang. In Wernfeld angekommen muss ich nicht lange suchen, auch die Brücke über den Main kenne ich ja mittlerweile. Hier macht die Straße ebenso wie der Main eine große Schleife um den langgestreckten Berg herum, der geologisch zu den sog. fränkischen Platten (meist Muschelkalk und Keuper und in Unterfranken sehr verbreitet) gezählt wird. Ab Gemünden (das sich auf der anderen Mainseite befindet) ist für die restliche Strecke bis Lohr am Main ein brauchbarer Radweg vorhanden. Zum letzten Mal geht es nun auf die linke Seite des Mains, der dort seinen Weg über Aschaffenburg nach Frankfurt und Mainz fortsetzt. Ich jedoch darf nun den Spessart überqueren.

Über die Mainbrücke nach Lohr am Main. Im Hintergrund schon zu sehen : der Spessart.

Lohr am Main ist ein romantisches Städtchen und nennt sich auch „Schneewittchenstadt“, denn man meint, dass es für die Gebrüder Grimm dort ein historisches Vorbild gab. Der Spessart als uraltes Waldgebirge ist seit jeher mit vielen Mythen, Märchen und Sagen verbunden. Nun habe ich auf dem Rad zwar keine Räuber im Spessart mehr zu fürchten, aber etliche Höhenmeter zu bezwingen und das zunächst auf der B 26, die sich aber für eine Bundesstraße völlig unproblematisch auch mit dem Rad fahren lässt. Hoch geht es direkt aus Lohr heraus bis nach Rechtenbach und dann nochmal weiter bis zum ersten Scheitelpunkt. Die B 26 führt dort weiter nach Aschaffenburg und ich biege rechts ab. Nun gibt es zunächst eine schöne Abfahrt nach Neuhütten und Heigenbrücken, jedoch nur um dann die nächste Erhebung bei Jakobsthal hoch zum sog. Engländer (wer sich über die Bezeichnung informieren will, google nach „Engländer Spessart“ (es findet sich auch ein Wikipediaeintrag: ). Hier folgt nun eine rasante Abfahrt und 200 km. der Gesamtstrecke sind geschafft. Nur ein allerletzter Berg folgt noch, nämlich ab Sailauf hoch nach Rottenberg. Der Berg ist nicht besonders hoch, aber steil und nach 200 km. schlaucht das ziemlich, danach aber die tiefe Freude, es ja „eigentlich“ geschafft zu haben, denn die restlichen 50 – 60 km nach Frankfurt führt das Streckenprofil nur noch bergab.

Kleine Waldkapelle bei Rottenberg

Schimborn und Mömbris heißen die nächsten Ortschaften, bevor dann – aber nur für ein paar Meter – zum ersten Mal die bayerisch/hessische Grenze überquert wird. Nur ein kleiner Zipfel Hessen ragt hier rein, danach befinde ich mich zunächst weiterhin in Bayern. Bei meiner ersten Tour nach Frankfurt bin ich dann direkt auf der direkten Verbindung bis Hanau gefahren, aber der Straßenabschnitt fährt sich für mich nicht schön. Die Straße, obwohl zunächst noch gar nicht Bundesstraße (später dann B 8) ist mehr oder weniger auch Autobahnzubringer und halt sehr autooptimiert und landschaftlich etwas eintönig. Ich weiche aus über Alzenau nach Kahl am Main und zwar diesmal bereits bei Michelbach links ab über Kälberau nach Alzenau und weiter über den Prischoßweg (Prischoß ist eine Wüstung, also eine ehemalige und jetzt nicht mehr vorhandene Siedlung). Ich fahre diese Tour ohne Navigation und war hinterher beim Anschauen der GPX Daten über diese für mich optimale Wegführung freudig überrascht. In Kahl am Main ist mit 102 m. ü. NN übrigens auch der tiefste Punkt Bayerns erreicht. Im Anschluss geht es dann endgültig nach Hessen. Großkrotzenburg schliesst sich direkt an Kahl an und dort führt mein Weg nun am einst bedeutenden Kohlekraftwerk „Staudinger“ vorbei nach Großauheim und dann Hanau. Von dieser Seite aus, ist Hanau mittlerweile für mich leicht durchfahrbar.

Streckenführung von Alzenau über Kahl a. Main nach Hanau

Nächster Wegpunkt ist dort das Schloss Philippsruhe. Immer wieder eindrucksvoll für mich es zu sehen.

Schloß Philippsruhe in Hanau

Der Rest der Strecke ist sozusagen ein Klacks und zum genießen. Kesselstadt und dann entweder auf dem begleitenden Radweg der Hauptstraße entlang oder parallel davon am Main entlang, beides gut und einigermassen zügig zu befahrene Wege und irgendwann steht man dann schon in Frankfurt/Fechenheim wo sich direkt am Ende des Radwegs die Brauereischänke „Bier-Hannes“ befindet. Mein Weg führte dann noch weiter stadteinwärts zunächst auf der rechten Seite der Hanauer Landstraße, dann nach dem Kreisel (den man unterqueren kann, aber Vorsicht tückisch hohe Bordsteinkanten am Radweg) auf der linken Seite zur Lindleystraße im Osthafengebiet und an der EZB vorbei zum Mainufer wo dann ein prächtiger Sonnenuntergang hinter der Hochhaus Skyline zum abschliessenden Fotoshooting einlud.

Frankfurt Eastend.

Das Fahrrad durfte nun nach 12 Std. ausruhen. 🙂